Fachwerk Gefach ausfüllen: Definition, Materialien und Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wenn du vor einem Fachwerkhaus stehst, siehst du zuerst das Holz. Die dunklen Balken, die Linien, das Muster. Doch die eigentliche Wand liegt dazwischen. Dieser Zwischenraum zwischen den Holzbalken heißt Gefach. Das Gefach ist der Bereich zwischen den tragenden Holzelementen eines Fachwerks und wird mit einem nicht tragenden Material ausgefüllt. Historisch wurden Gefache meist mit Lehm und pflanzlichen Materialien ausgefüllt. Heute stehen neben traditionellen Methoden auch industriell hergestellte Lehmsteine, Leichtlehmplatten und Naturdämmstoffe wie Hanf zur Verfügung.

Fachwerk Gefach ausfüllen: Definition, Materialien und Schritt-für-Schritt-Anleitung

Was ein Gefach ist und welche Funktion es erfüllt

Ein Fachwerkgebäude besteht aus einem Holztragwerk. Vertikale Balken heißen Ständer. Horizontale Hölzer heißen Riegel. Diagonale Hölzer nennt man Streben. Diese Elemente bilden zusammen die tragende Struktur des Gebäudes.

Der Raum zwischen diesen Hölzern ist das Gefach. Dieser Zwischenraum wird mit einem Material ausgefüllt, das keine tragende Funktion übernimmt, aber entscheidend für die bauphysikalische Leistungsfähigkeit des Gebäudes ist.

Das Gefach sorgt für Wärmeschutz, schützt vor Wind und Schlagregen und reguliert den Feuchtehaushalt der Wand. Gerade in historischen Gebäuden spielt außerdem die Fähigkeit zur Feuchtepufferung eine wichtige Rolle.

Viele traditionelle Materialien wie Lehm besitzen genau diese Eigenschaften. Sie sind diffusionsoffen, können Feuchtigkeit aufnehmen und später wieder abgeben und speichern gleichzeitig Wärme.

Typischer Aufbau eines Gefachs

Ein Gefach besteht meist aus mehreren funktionalen Schichten. In der Mitte liegt der Ausfachungskern, zum Beispiel aus Lehmstein, Wellerlehm oder einem leichten Dämmstoff. Auf der Innenseite folgt ein Putzsystem, häufig aus Lehmputz. Auf der Außenseite kann ebenfalls ein Putz oder eine Bekleidung liegen.

Je nach Konstruktion wird ein Putzträger verwendet, zum Beispiel Schilfrohrgewebe. Dieses sorgt dafür, dass der Putz sicher haftet und Spannungen besser verteilt werden. Besonders an Übergängen zwischen Holz und Putz verbessert der Putzträger die Dauerhaftigkeit.

In historischen Fachwerkhäusern existiert normalerweise keine Dampfbremse. Der gesamte Wandaufbau funktioniert über Diffusion und Sorption. Feuchtigkeit kann durch die Materialien wandern und wird von kapillaraktiven Baustoffen aufgenommen und wieder abgegeben.

Wichtig ist dabei nicht ein einzelner Materialwert, sondern der gesamte Diffusionswiderstand der Schichten. In der Praxis gilt als bewährte Planungsregel, dass der Diffusionswiderstand nach außen hin abnehmen sollte. So kann Feuchtigkeit, die in das Bauteil gelangt, wieder austrocknen.

Die Anschlusszone zwischen Holz und Ausfachung ist bauphysikalisch besonders sensibel. Hier treffen Materialien mit unterschiedlichen Eigenschaften aufeinander. Diffusionsoffene Baustoffe wie Lehm oder Kalk können dort Feuchtigkeit aufnehmen und verzögert wieder abgeben. Stark dichte Materialien wie Zementmörtel behindern diesen Prozess und können langfristig zu Feuchteschäden im Holz führen.

Materialien für die Ausfachung von Gefachen

Im historischen Fachwerkbau wurden unterschiedliche Materialien verwendet. Einige davon werden bis heute eingesetzt.

Wellerlehm oder Stakenflechtwerk: Dies ist eine der ältesten Methoden der Ausfachung. Zwischen eingeschlagene Holzstaken werden Weidenruten oder Haselzweige geflochten. Anschließend wird ein Lehm-Stroh-Gemisch in dieses Flechtwerk eingedrückt. Diese Bauweise ist vollständig diffusionsoffen, sehr reparaturfähig und bauphysikalisch robust. Der Nachteil liegt im hohen handwerklichen Aufwand.

Lehmsteine nach DIN 18945: Lehmsteine werden industriell hergestellt und mit Lehmmauermörtel nach DIN 18946 vermauert. Sie ermöglichen eine gleichmäßige Qualität und ein schnelleres Arbeiten auf der Baustelle. Für sichtbares Fachwerk gibt es auch Steine mit besonders sauberer Sichtoberfläche.

Leichtlehmplatten und Naturdämmstoffe: Wenn höhere Dämmwerte erreicht werden sollen, können Leichtlehmplatten oder Naturdämmstoffe eingesetzt werden. Leichtlehm besitzt je nach Mischung eine Rohdichte von etwa 300 bis 800 Kilogramm pro Kubikmeter. Naturdämmstoffe wie Hanf oder Holzfasern werden zwischen den Balken eingebaut und anschließend mit Lehmputz beschichtet.

Gefach mit Lehmsteinen ausfüllen – ein typischer Arbeitsablauf

Schritt 1 – Vorbereitung: Zuerst wird das alte Material vollständig entfernt. Danach prüfst du die Holzbalken auf Schäden wie Fäulnis oder Insektenbefall. Beschädigte Bereiche werden repariert oder ersetzt. Vor dem Vermauern kann das Holz im Kontaktbereich leicht mit Lehmschlämme angefeuchtet werden.

Schritt 2 – Putzträger montieren: Schilfrohrgewebe wird mit verzinkten Krampen an den Holzbalken befestigt. Alternativ kann das Schilfrohr auch mit Edelstahldraht gebunden werden, was besonders bei handgefügtem Schilfrohr und in korrosionsgefährdeten Bereichen üblich ist. Die Rohrstärke liegt meist zwischen vier und sechs Millimetern. Die Befestigung erfolgt in einem Raster von etwa zehn Zentimetern. Die einzelnen Bahnen sollten sich etwa zehn Zentimeter überlappen. An den Anschlusszonen zwischen Holzbalken und Putzfläche werden Dreieckleisten eingesetzt. Sie werden in die Winkel zwischen Balken und Putzträger eingelegt und gleichen den Übergang aus. Das verhindert, dass der Putz an dieser Kante reißt oder sich ablöst.

Schritt 3 – Ausfachung vermauern: Die Lehmsteine werden mit Lehmmauermörtel in Lagen vermauert. Die Fugendicke liegt meist zwischen zehn und zwölf Millimetern. Die Steine werden dicht an die Holzbalken geführt, ohne eine starre Verbindung zum Holz herzustellen. Die letzte Steinreihe wird mit weicherem Mörtel angepasst, sodass ein spannungsarmer Anschluss entsteht.

Schritt 4 – Putz aufbringen: Nach ausreichender Trocknung der Ausfachung folgt der Putz. Zunächst wird ein Lehmunterputz von etwa 15 bis 20 Millimetern Dicke aufgebracht. Nach der Trocknung folgt ein Oberputz von etwa acht bis zehn Millimetern. Optional kann ein feiner Lehmfeinputz als sichtbare Oberfläche aufgetragen werden.

Häufige Fehler bei der Gefachausfachung

Zementmörtel im Fachwerk: Zement ist deutlich dichter als Lehm oder Kalk. Wird er in Gefachen eingesetzt, kann Feuchtigkeit im Holz eingeschlossen werden. Das erhöht das Risiko für Fäulnis und Schäden am Fachwerk.

Zu schnelle Trocknung: Frisch ausgefachte Gefache sollten nicht direkter Sonneneinstrahlung oder starker Heizung ausgesetzt werden. Zu schnelle Trocknung kann zu tiefen Schwindrissen führen.

Fehlende Putzträger: An Übergängen zwischen Holz und Putz entstehen Spannungen. Ohne geeigneten Putzträger kann der Putz dort reißen oder sich ablösen. Ergänzend zu Schilfrohrgewebe sollten an den Balken-Kanten Dreieckleisten eingelegt werden. Sie füllen den Winkel zwischen Holz und Putzebene und verhindern Hohlstellen, an denen Risse entstehen.

Zu dicke Putzschichten in einem Arbeitsgang: Lehmputz sollte pro Arbeitsgang nicht dicker als etwa 20 Millimeter aufgetragen werden. Größere Schichtdicken werden besser in mehreren Lagen aufgebaut.

Materialbedarf – Richtwerte je Arbeitsgang
MaterialAnwendungDIN-NormVerbrauch ca.
Lehmstein (nicht tragend)AusfachungskernDIN 18945Abhängig von Gefachgröße
LehmmauermörtelVermauern der LehmsteineDIN 18946ca. 40 kg/m³ Mauerwerk
SchilfrohrgewebePutzträger1 m²/m² Wandfläche
Dreieckleisten (z. B. Lärche)Anschluss Balken-PutzflächeLaufmeter pro Balkenanschluss
LehmunterputzSchichtdicke ca. 15–20 mmDIN 18947ca. 22–30 kg/m²
LehmoberputzSchichtdicke ca. 8–10 mmDIN 18947ca. 10 kg/m²
LehmfarbeSchlussbeschichtungca. 0,5 L/m²

Regionaler Kontext und Einsatz in der Praxis

Im Landkreis Verden und dem Raum Achim sind Fachwerkhäuser mit Lehm-Ausfachungen prägend für das Ortsbild historischer Dörfer. Lehm-Revival in der Danziger Str. 59, 28832 Achim, liefert alle benötigten Materialien für die denkmalgerechte Gefach-Ausfachung: Lehmsteine, Schilfrohrgewebe, Lehmmörtel und Lehmputze. Wir beraten Handwerker und Eigenheimbesitzer aus der Region Bremen, Verden und Rotenburg zu materialgerechten Lösungen und führen Vor-Ort-Beratungen durch.

Erstellt von Kenny Kent Bridgewater, zertifiziertem Sachverständigen für Ressourceneffizientes und nachhaltiges Bauen mit Lehmbaustoffen. Lehmbau, Holzbau und Ökobilanzierung in Norddeutschland.

Häufige Fragen

Welches Material ist für die Gefach-Ausfachung am besten geeignet?

Für historische Fachwerkhäuser ist Lehm (Lehmsteine oder Wellerlehm) die denkmalkonformste und bauphysikalisch beste Wahl. Lehm ist dampfdiffusionsoffen, feuchteregulierend und temperaturstabilisierend. Für verbesserte Dämmwerte können Leichtlehmplatten oder Hanfdämmplatten in Kombination mit Lehmputz eingesetzt werden. Zement und Styropor sind vollständig ungeeignet.

Kann ich das Gefach selbst ausfüllen?

Einfache Ausfachungen mit Lehmsteinen können handwerklich begabte Heimwerker selbst ausführen. Voraussetzung: Grundkenntnisse im Mauern und Verputzen. Für komplexe Sanierungen denkmalgeschützter Gebäude, stark geschädigte Holzbauteile oder wenn statische Eingriffe nötig sind, empfehlen wir einen qualifizierten Lehmbauhandwerker oder Sachverständigen hinzuzuziehen.

Wie erkenne ich, ob ein Gefach sanierungsbedürftig ist?

Anzeichen für sanierungsbedürftige Gefache: sichtbare Risse oder Hohlstellen in der Verputzung, feuchte Flecken nach Regen, herausbröckelndes Material, Schimmelgeruch oder sichtbarer Schimmel. Klopfen Sie auf die Putzoberfläche: Ein dumpfer, hohler Klang weist auf eine Ablösung der Putzschicht vom Gefach hin. In diesem Fall ist eine vollständige Sanierung notwendig.

Wie lange hält eine Gefach-Ausfachung mit Lehmsteinen?

Eine fachgerecht ausgeführte Lehmstein-Ausfachung hält bei guter Dachentwässerung und intaktem Schutz vor Schlagregen Jahrzehnte bis Jahrhunderte. Historische Lehm-Ausfachungen in norddeutschen Fachwerkhäusern belegen eine Nutzungsdauer von 200 bis 400 Jahren. Voraussetzung: Schlagregenscutz durch ausreichende Dachüberstände, intaktes Holzgefüge und regelmäßige Sichtprüfung.