Gefach ausfachen: Lehmstein oder Hanfstein im Fachwerk
Das Gefach ist der Bereich zwischen den Holzbalken eines Fachwerks. Es wird mit einem nicht tragenden Material ausgefüllt und bildet den Wandanteil zwischen den Hölzern. Obwohl das Gefach keine statische Funktion übernimmt, ist es entscheidend für Wärmeschutz, Feuchteregulierung und Dauerhaftigkeit des Gebäudes.

Historische und moderne Ausfachung
Historisch wurden Gefache meist mit Flechtwerk und Lehm ausgefüllt. Dünne Weidenruten oder Haselstäbe wurden als Gitter zwischen die Hölzer geflochten und beidseitig mit einem Lehm-Stroh-Gemisch beworfen. Diese Bauweise ist vollständig diffusionsoffen, reparierbar und bauphysikalisch sehr robust.
Heute stehen neben traditionellen Methoden auch industriell gefertigte Lehmsteine oder moderne Hanfsteine zur Verfügung. Diese vorgefertigten Produkte beschleunigen die Ausführung erheblich und bieten gleichzeitig definierte, normkonforme Eigenschaften. Die Wahl des richtigen Materials hängt vom Zustand des Gebäudes, dem Ziel der Sanierung und eventuellen Denkmalschutzauflagen ab.
Lehmstein im Fachwerk
Lehmsteine gehören zu den klassischen Materialien für Gefach-Ausfachungen. Sie bestehen aus Lehm, Sand und teilweise pflanzlichen Zuschlägen wie Stroh oder Hanffasern. Industriell gefertigte Lehmsteine werden nach DIN 18945 hergestellt und mit Lehmmauermörtel nach DIN 18946 vermauert.
Lehmsteine besitzen eine relativ hohe Rohdichte zwischen 1.400 und 1.800 Kilogramm pro Kubikmeter. Diese Masse macht sie zu guten Wärmespeichern: Sie nehmen Wärme tagsüber auf und geben sie nachts langsam ab. Das führt zu stabilen Innenraumtemperaturen und einem angenehmen Wohnklima.
Gleichzeitig sind Lehmsteine vollständig diffusionsoffen und kapillaraktiv. Das bedeutet, dass Feuchtigkeit sowohl durch Diffusion als auch durch Kapillartransport aufgenommen und wieder abgegeben werden kann. Diese doppelte Fähigkeit macht Lehmsteine besonders robust gegenüber wechselnder Luftfeuchtigkeit.
Gerade bei denkmalgeschützten Fachwerkhäusern sind Lehmsteine deshalb häufig die erste Wahl. Sie entsprechen der traditionellen Bauweise, erfüllen moderne DIN-Normen und werden von Denkmalschutzbehörden in der Regel problemlos akzeptiert. Lehmsteine von ClayTec werden zum Beispiel speziell für Fachwerk-Ausfachungen entwickelt und sind nach DIN 18945 geprüft.
Die Verarbeitung ist unkompliziert: Lehmsteine werden auf Maß geschnitten, passend zwischen die Holzbalken eingesetzt und mit Lehmmauermörtel vermauert. Eine starre Verbindung zum Holz ist dabei nicht notwendig. Ein weicher, spannungsarmer Anschluss verhindert Risse, wenn sich das Holztragwerk durch Feuchtigkeit oder Temperatur bewegt.
Schönthaler Hanfstein mit Alpenkalk
Eine moderne Alternative zu Lehmstein ist der Schönthaler Hanfstein. Dieser Baustoff besteht aus Hanfschäben – dem holzigen Kernanteil des Hanfstängels – und einem mineralischen Bindemittel auf Kalkbasis, meist Alpenkalk.
Hanfstein verbindet mehrere bauphysikalische Vorteile. Das Material ist mit einer Rohdichte von 400 bis 600 Kilogramm pro Kubikmeter deutlich leichter als Lehmstein. Gleichzeitig besitzt es deutlich bessere Dämmwerte: Die Wärmeleitfähigkeit liegt bei 0,10 bis 0,15 Watt pro Meter und Kelvin, gegenüber 0,45 bis 0,65 bei Lehmstein.
Durch den Kalkanteil bleibt der Hanfstein alkalisch und schimmelhemmend. Der pH-Wert des Kalkbindemittels liegt über 12 und verhindert Schimmelwachstum auch in Bereichen mit wechselnder Feuchtigkeit. Gleichzeitig bleibt der Hanfstein vollständig diffusionsoffen – die Hanffasern transportieren Feuchtigkeit aktiv durch den Stein.
Der Alpenkalk, der als Bindemittel eingesetzt wird, stammt aus besonders reinen Kalksteinlagerstätten im Alpenraum. Er gibt dem Hanfstein eine dauerhafte Festigkeit durch Karbonatisierung und verbindet sich mineralisch mit dem Lehmputz oder Kalkputz, der anschließend aufgebracht wird.
Im Fachwerkbau eignet sich Hanfstein besonders für Sanierungen, bei denen zusätzliche Wärmedämmung erforderlich ist, ohne die Diffusionsoffenheit der Konstruktion zu verlieren. Da der Hanfstein komplett ohne synthetische Dämmstoffe auskommt, bleibt die gesamte Wandkonstruktion kapillaraktiv und reguliert Feuchtigkeit auf natürliche Weise.
Hanfstein oder Lehmstein?
Die Wahl hängt vor allem vom Ziel der Sanierung und den Randbedingungen des Gebäudes ab.
Lehmsteine eignen sich besonders für denkmalgerechte Restaurierungen und historische Konstruktionen. Sie entsprechen der traditionellen Bauweise, besitzen sehr gute Wärmespeichereigenschaften und werden von Denkmalbehörden bevorzugt. Wenn Originalsubstanz erhalten werden soll und kein erhöhter Dämmwert gefordert wird, ist Lehmstein die richtige Wahl.
Hanfsteine bieten dagegen deutlich bessere Dämmwerte bei geringerem Gewicht. Sie werden häufig eingesetzt, wenn energetische Verbesserungen erreicht werden sollen, ohne zusätzliche konventionelle Dämmstoffe einzubauen. Bei Gebäuden ohne strengen Denkmalschutz ist Hanfstein eine zunehmend beliebte Wahl, weil er Energieeffizienz und Ökologie verbindet.
Beide Materialien können problemlos mit Lehm- oder Kalkputzen kombiniert werden. Der Anschluss an das Holztragwerk wird in beiden Fällen weich und spannungsfrei ausgeführt. Weder Lehmstein noch Hanfstein werden starr mit den Holzbalken verklebt oder verschraubt.
Wandaufbau im Fachwerk
Ein typischer Aufbau bei einer Fachwerksanierung mit diffusionsoffenen Materialien besteht aus drei Schichten: Innenputz aus Lehm, Gefach aus Lehmstein oder Hanfstein und Außenputz aus Kalk.
Dieses System funktioniert seit Jahrhunderten, weil alle Materialien kapillaraktiv und diffusionsoffen bleiben. Feuchtigkeit kann durch die gesamte Wandebene wandern und an der Außenseite wieder austrocknen. Kein Material blockiert diesen Ausgleich, und kein Material schließt Feuchtigkeit im Holz ein.
Die Schichtenregel muss dabei eingehalten werden: Jede Schicht von innen nach außen muss einen höheren oder gleichen Dampfdiffusionswiderstand haben als die vorherige. Das heißt: Lehmputz innen muss offener sein als Kalkputz außen. Diese Reihenfolge ist bei dem beschriebenen Wandaufbau automatisch erfüllt.
Gerade diese Kombination aus Holz, Lehm und Kalk macht Fachwerkhäuser so langlebig. Wenn die Materialien richtig aufeinander abgestimmt werden, entsteht ein Wandaufbau, der Feuchtigkeit reguliert, Wärme speichert und gleichzeitig dauerhaft stabil bleibt. Fachwerkhäuser mit originalem Lehm-Kalk-Aufbau, die mehrere Jahrhunderte alt sind, belegen die Dauerhaftigkeit dieses Systems.
Kosten und Verfügbarkeit
Lehmsteine nach DIN 18945 sind in Deutschland gut verfügbar und werden von mehreren Herstellern angeboten. ClayTec-Lehmsteine gehören zu den bekanntesten Produkten auf dem deutschen Markt und sind in verschiedenen Formaten lieferbar. Die Preise liegen je nach Format bei etwa 2 bis 5 Euro pro Stein.
Schönthaler Hanfsteine sind in Deutschland über Fachhandel und spezialisierte Baustoffhändler erhältlich. Da die Produktion aufwändiger ist als bei Lehmsteinen, liegen die Preise etwas höher. Die besseren Dämmwerte können jedoch dazu führen, dass weniger Gesamtaufwand für die Erfüllung von Energiestandards entsteht.
Für beide Materialien gilt: Bei größeren Sanierungsvorhaben lohnt sich eine detaillierte Kalkulation, die Materialkosten, Verarbeitungsaufwand und erreichbaren Energiestandard berücksichtigt. Lehm-Revival berät gerne zur richtigen Materialwahl und liefert Lehmsteine sowie Hanfsteine bundesweit.
Bei einer typischen Gefach-Ausfachung in einem Norddeutschen Fachwerkhaus mit einem Wandflächenanteil von 30 Quadratmetern ergibt sich ein Materialbedarf von etwa 150 bis 200 Lehmsteinen im Format NF oder DF. Mit Hanfsteinen ist der Bedarf aufgrund des größeren Formats meist geringer, typischerweise 80 bis 120 Steine je nach Gefachtiefe. Beide Materialien werden nach Absprache auch auf Palette mit Spedition geliefert.
| Eigenschaft | Lehmstein (DIN 18945) | Schönthaler Hanfstein |
|---|---|---|
| Rohdichte | 1.400–1.800 kg/m³ | 400–600 kg/m³ |
| Wärmeleitfähigkeit λ | 0,45–0,65 W/(mK) | 0,10–0,15 W/(mK) |
| Wärmespeicherung | sehr gut | mittel |
| Diffusionsoffenheit | sehr gut | sehr gut |
| Kapillaraktivität | ja | ja |
| Alkalität / Schimmelschutz | neutral | gut (Kalkbindemittel) |
| Gewicht pro m² Gefach | hoch | niedrig |
| Denkmalkonformität | sehr hoch | hoch |
| Typische Anwendung | denkmalgerechte Restaurierung | energetische Sanierung |
Regionaler Kontext und Einsatz in der Praxis
Im Raum Achim, Verden und Niedersachsen sind viele Fachwerkhäuser über 150 Jahre alt. Bei der Wahl der Ausfachung spielen Denkmalschutz, Energieeffizienz und Bauphysik eine gleichermaßen wichtige Rolle. Lehm-Revival in der Danziger Str. 59, 28832 Achim, führt sowohl Lehmsteine als auch Hanfsteine und berät zur richtigen Wahl für das jeweilige Objekt. Lieferung bundesweit per DPD.
Quellen und Normen
Häufige Fragen
Kann Hanfstein Lehmstein vollständig ersetzen?
Für die meisten Sanierungen ja, wenn kein strenger Denkmalschutz vorliegt. Hanfstein bietet bessere Dämmwerte, ist aber leichter und speichert weniger Wärme. Bei historischen Konstruktionen mit Originalsubstanz oder unter Denkmalschutz ist Lehmstein die materialgerechte Wahl.
Welchen Mörtel verwende ich für Lehmsteine?
Lehmsteine werden mit Lehmmauermörtel nach DIN 18946 vermauert. Ein Zement- oder Kalkzementmörtel ist ungeeignet, da er die Diffusionsoffenheit der Konstruktion erheblich einschränkt. Für Hanfsteine wird ein spezieller Kalk-Hanf-Mörtel oder Alpenkalk-Mörtel empfohlen.
Ist Lehmstein oder Hanfstein denkmalgerechter?
Lehmsteine entsprechen der historischen Bauweise und werden von Denkmalschutzbehörden in der Regel bevorzugt oder vorgeschrieben. Hanfstein ist ebenfalls denkmalkonform, muss aber bei geschützten Gebäuden vorab mit der Behörde abgestimmt werden.