Lehmbau: Bauen und Sanieren mit Lehm
Lehmbau bezeichnet das Bauen und Sanieren mit ungebrannten, lehmhaltigen Erdstoffen. Lehm gehört zu den ältesten Baustoffen der Menschheit und wird heute im ökologischen Bau und in der Fachwerksanierung wieder verstärkt eingesetzt. Moderne Lehmbauprodukte wie ClayTec Lehmputze, Lehmbauplatten, Lehmsteine und Lehmfarben ermöglichen eine normgerechte Verarbeitung nach aktuellen DIN-Standards. Gerade im Denkmalschutz, in der Fachwerksanierung und im nachhaltigen Neubau ist Lehm wieder ein zentrales Material – praxiserprobt seit Jahrtausenden und normativ geregelt seit 2013.

Warum Lehm ein idealer Baustoff ist
Lehm besitzt bauphysikalische Eigenschaften, die nur wenige Baustoffe kombinieren. Er reguliert die Raumluftfeuchtigkeit, speichert Wärme und ist vollständig ohne Schadstoffe. Gleichzeitig lässt er sich ohne großen Energieaufwand herstellen, verarbeiten und nach dem Abriss erneut verwenden.
Zu den wichtigsten Produkten im Lehmbau gehören Lehmputze nach DIN 18947, Lehmbauplatten nach DIN 18948, Lehmsteine nach DIN 18945 sowie Lehmfarben und Lehmfeinputze. Lehm Revival versteht sich als Wissensplattform und Shop rund um Lehmbauprodukte, Fachwerksanierung und natürliche Baustoffe.
Feuchtigkeitsregulierung
Lehm kann Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und bei trockener Luft wieder abgeben. Diese sogenannte Sorptionsfähigkeit stabilisiert die relative Luftfeuchtigkeit im Raum. Der Prozess ist vollständig reversibel und lässt sich über Jahrzehnte wiederholen, ohne dass die Leistungsfähigkeit nachlässt.
Studien zeigen, dass Lehmputz Feuchtespitzen in Innenräumen um etwa 15 bis 30 Prozent reduzieren kann. Dadurch sinkt das Risiko von Schimmelbildung deutlich. Besonders in Schlafzimmern, wo Menschen nachts viel Feuchtigkeit abgeben, ist dieser Puffereffekt spürbar. Die relative Luftfeuchtigkeit bleibt in einem Bereich, der sowohl für die Gesundheit als auch für die Bausubstanz optimal ist.
Gerade in Wohnräumen, Schlafzimmern oder Fachwerkhäusern sorgt Lehmputz für ein ausgeglichenes Raumklima, ohne dass technische Lüftungssysteme nötig sind. Im Vergleich zu Gipsputz oder mineralischen Innenputzen auf Zementbasis ist die hygroskopische Pufferkapazität von Lehm deutlich höher.
Wärmespeicherung
Lehm besitzt eine hohe Wärmespeicherkapazität von etwa 0,9 bis 1,1 Kilojoule pro Kilogramm und Kelvin. Diese thermische Masse dämpft Temperaturschwankungen im Gebäude.
Im Sommer bleiben Räume mit Lehmputz oder Lehmsteinmauerwerk länger kühl, während im Winter gespeicherte Wärme langsamer abgegeben wird. Dieses Phänomen ist besonders in Altbauten und sanierten Fachwerkhäusern spürbar, wo thermische Masse das Raumklima stabilisiert.
Nachhaltigkeit und Recycling
Lehm enthält keine synthetischen Bindemittel, keine Schadstoffe und keine bioziden Zusätze. Die Herstellung erfordert keine Brennvorgänge und damit erheblich weniger Energie als bei Zement oder Gips. In der Ökobilanz schneidet Lehm dadurch deutlich besser ab als konventionelle Baustoffe.
Ein besonderer Vorteil ist seine vollständige Wiederverwendbarkeit. Alter Lehmputz kann mit Wasser erneut angerührt und wieder verarbeitet werden. Lehmsteine aus dem Abbruch eines alten Hauses lassen sich nach dem Reinigen als Neubaumaterial einsetzen. Dadurch zählt Lehmbau zu den nachhaltigsten Bauweisen überhaupt – ohne Sondermüll, ohne Deponieabfälle, ohne graue Energie für die Entsorgung.
Lehm wird regional abgebaut und regional verarbeitet. Kurze Transportwege, kein Brennprozess, kein chemischer Aufschluss: Der CO₂-Fußabdruck von Lehmbauprodukten ist im Vergleich zu Zement- oder Kunstharzprodukten minimal. Lehmbau ist damit eine der konsequentesten Antworten auf die Anforderungen des klimaschonenden Bauens.
Lehmbau nach DIN Norm
Normierung seit 2013
Seit 2013 sind Lehmbauprodukte in Deutschland durch eigene DIN-Normen geregelt. Die wichtigsten Normen sind DIN 18945 für Lehmsteine, DIN 18946 für Lehmmauermörtel, DIN 18947 für Lehmputzmörtel und DIN 18948 für Lehmbauplatten.
Diese Normen definieren Anforderungen an Druckfestigkeit, Wasseraufnahme, Schwindverhalten und Verarbeitung. Sie werden regelmäßig aktualisiert. So wurde beispielsweise DIN 18945 im Jahr 2024 überarbeitet, um tragende und nichttragende Lehmsteine klarer zu unterscheiden.
Normgerechte Produkte wie die ClayTec Lehmbauprodukte werden industriell hergestellt und regelmäßig geprüft. Für Bauanträge, Förderprogramme oder Denkmalschutzprojekte ist der Einsatz solcher geprüften Materialien häufig Voraussetzung.
Ergänzend zu den DIN-Normen veröffentlicht die Deutsche Vereinigung für Lehmbau (DVL) die sogenannten Lehmbau-Regeln. Dieses Regelwerk gilt als wichtiger Stand der Technik für Planung und Ausführung von Lehmbauten.
Lehmputz: Anwendung und Aufbau
Lehmputz gehört zu den wichtigsten Lehmbauprodukten und eignet sich für Innenwände aus Mauerwerk, Beton, Fachwerk, Strohballen und Lehmbauplatten.
Der typische Aufbau eines Lehmputzes besteht aus mehreren Lagen: Lehmunterputz mit etwa 10 bis 20 mm, Lehmoberputz mit etwa 5 bis 10 mm und optional Lehmfeinputz mit etwa 2 bis 4 mm. Unterputzschichten können nach DIN 18947 auch bis etwa 30 mm dick sein, wenn sie in mehreren Lagen aufgebaut werden.
Bewährte Produkte sind ClayTec Lehmunterputz grob, ClayTec Lehmoberputz fein und ClayTec Lehmfeinputz. Sie sind auf DIN 18947 geprüft und für alle gängigen Untergründe geeignet. Für Untergründe mit starker Saugfähigkeit empfiehlt sich ein Vorspritzmörtel oder das Aufbringen von Haftbrücken. Bei wenig saugenden Untergründen wie Beton oder Lehmplatten ist vor dem Verputzen ein Haftputz sinnvoll. Alle ClayTec Lehmputze werden werksseitig aufbereitet und sind direkt aus dem Sack verarbeitbar.
Lehmbauplatten und Lehmsteine
Lehmbauplatten ermöglichen einen schnellen Innenausbau ohne lange Trocknungszeiten. Sie werden ähnlich wie Gipskartonplatten verschraubt und anschließend mit Lehmputz überarbeitet. Ein typisches Beispiel sind ClayTec Lehmbauplatten nach DIN 18948, die häufig im ökologischen Innenausbau eingesetzt werden.
Lehmsteine ermöglichen massives Mauerwerk aus ungebranntem Lehm. Sie besitzen hervorragende Wärmespeichereigenschaften und eignen sich besonders für Innenwände oder Gefach-Ausfachungen im Fachwerk. Tragende Lehmsteine nach DIN 18945 Typ A können für Innenwände verwendet werden. Nichttragende Varianten werden häufig in Fachwerk-Gefachen eingesetzt.
Bauphysik: Diffusion und Luftdichtheit
Neben der Sorptionsfähigkeit spielt auch die Luftdichtheit eine wichtige Rolle. Feuchtigkeit gelangt häufig nicht durch Diffusion in Bauteile, sondern durch Luftströmungen. Diese sogenannte Konvektion kann deutlich mehr Feuchtigkeit transportieren als reine Dampfdiffusion.
Deshalb sollten Anschlüsse zwischen Putz, Bauteilen und Installationen sorgfältig ausgeführt werden. Ein luftdichter, aber diffusionsoffener Wandaufbau sorgt für dauerhafte Bauphysik und verhindert Feuchteschäden.
Lehm verhält sich in diesem Zusammenhang ideal: Er ist diffusionsoffen mit einem μ-Wert zwischen 5 und 10, nimmt Restfeuchte kapillar auf und gibt sie kontrolliert wieder ab. Diese Kombination macht Lehmputz besonders robust gegenüber wechselnden Feuchtebedingungen im Innenraum.
Lehmbau bei Lehm-Revival
Bei Lehm-Revival findest du eine kuratierte Auswahl an hochwertigen Lehmbauprodukten, darunter ClayTec Lehmputze, ClayTec Lehmbauplatten, ClayTec Lehmmörtel sowie Lehmfarben und Feinputze.
Diese Produkte werden seit vielen Jahren im Lehmbau, in der Fachwerksanierung und im nachhaltigen Innenausbau eingesetzt.
Lehm verbindet traditionelle Bauweisen mit modernen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Raumklima und Bauphysik. Genau deshalb erlebt der Lehmbau heute eine neue Renaissance. Wenn du Fragen zur Materialauswahl, zum richtigen Putzaufbau oder zur Verarbeitung hast, stehen wir dir gern beratend zur Seite – per E-Mail, Telefon oder bei einem persönlichen Beratungsgespräch.
| Produkt | DIN-Norm | Anwendung | Schichtdicke |
|---|---|---|---|
| Lehmunterputz | DIN 18947 | Grundputz auf Mauerwerk oder Fachwerk | 10–20 mm |
| Lehmoberputz | DIN 18947 | zweite Lage, glatte Oberfläche | 5–10 mm |
| Lehmfeinputz | DIN 18947 | feine Endschicht | 2–4 mm |
| Lehmbauplatten | DIN 18948 | Trockenbau Innenwände | ca. 25 mm |
| Lehmsteine tragend | DIN 18945 Typ A | Innenwände | – |
| Lehmfarbe | – | mineralischer Anstrich | 2 Anstriche |
Regionaler Kontext und Einsatz in der Praxis
Lehm-Revival mit Sitz in der Danziger Str. 59, 28832 Achim (Niedersachsen), versorgt Kunden in der gesamten Region Niedersachsen, Bremen und Hamburg mit normgerechten Lehmbaustoffen. In Achim und Umgebung sind Fachwerkhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert weit verbreitet – Lehm war hier traditionell das Füll- und Putzmaterial für Gefache und Wände. Lehm-Revival berät Bauherren, Handwerker und Denkmaleigentümer vor Ort und liefert Materialien deutschlandweit per DPD. Für Projekte im Landkreis Verden, Rotenburg und der Samtgemeinde Achim stehen wir auch für Vor-Ort-Beratung zur Verfügung.
Quellen und Normen
Definitionen & Fragen
Ist Lehmbau auch für Neubauten geeignet?
Ja. Lehmbauplatten und Lehmputze lassen sich in jeden modernen Neubau integrieren, unabhängig vom Außenwandsystem. Als Innenausbaumaterial verbessern sie das Raumklima messbar. Für tragende Außenwände aus Lehm gelten besondere Planungsanforderungen gemäß DVL Lehmbau Regeln.
Wie unterscheidet sich Lehmputz von Kalkputz?
Lehmputz hat eine höhere Feuchtigkeitsregulierung (Sorptionsfähigkeit bis 70 g/m²) als Kalkputz, ist aber nicht witterungsbeständig und daher nur für Innenbereiche geeignet. Kalkputz ist auch außen verwendbar, hat aber geringere Wärmespeicherwerte. Für Fachwerk empfehlen wir Lehm innen und Kalk außen.
Welche DIN-Normen gelten für Lehmbauprodukte?
Seit 2013 gelten in Deutschland vier zentrale Normen: DIN 18945 (Lehmsteine), DIN 18946 (Lehmmauermörtel), DIN 18947 (Lehmputzmörtel) und DIN 18948 (Lehmbauplatten). DIN 18945 wurde 2024 aktualisiert. Ergänzend gelten die Lehmbau Regeln der DVL.