Fachwerk-Sanierung mit Lehmputz – Projektbericht Niedersachsen
Ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1847 wurde denkmalgerecht mit Lehmputz und Lehmstein-Ausfachung saniert. Das Gebäude im Raum Achim hatte über Jahrzehnte Zementputz auf den Innenwänden – Folge: eingeschlossene Feuchtigkeit, Schimmelflecken und Schäden an der Holzstruktur. Die Sanierung ersetzte den gesamten Innenputz durch ein ClayTec-Lehmputz-System auf Schilfrohrgewebe und stellte die Diffusionsoffenheit der Wände vollständig wieder her.
Ausgangssituation und Herausforderung
Das Gebäude (ca. 180 m² Wohnfläche) hatte auf den Innenwänden einen Zementputz aus den 1970er Jahren. Dieser hatte die ursprüngliche Feuchteregulierung der Lehmausfachungen blockiert und führte zu Kondenswasser-Ansammlungen in der Holzstruktur.
Befund bei der Bestandsaufnahme: Originallehmausfachungen in den Gefachen zu 60 % noch intakt, aber mit Feuchtigkeitsschäden. Balkenschwellen zeigten erste Anzeichen von Weichfäule. Zementputz hatte sich stellenweise vom Untergrund gelöst.
Vorgehensweise und Materialien
Sanierungsschritte
Schritt 1 – Zementputz vollständig entfernt: Stemmen per Hand und mit Elektrostemmer. Staubschutz und Entsorgung der alten Materialien.
Schritt 2 – Lehmausfachungen bewertet: Intakte Ausfachungen gereinigt und gefestigt. Schadhafte Gefache mit ClayTec Lehmsteinen (nicht-tragend NE) und ClayTec Lehm-Mauermörtel neu ausgefacht.
Schritt 3 – Schilfrohrgewebe montiert: Auf alle Innenflächen (Lehmausfachung + Holzbalken) wurde verzinktes Schilfrohrgewebe (Rohrdurchmesser 5 mm) mit Edelstahlklammern befestigt.
Schritt 4 – Lehmputz-System aufgetragen: Unterputz ClayTec Lehmunterputz grob 15 mm, nach 14 Tagen Trocknung Oberputz ClayTec Lehmoberputz fein 8 mm, abschließend Lehmfeinputz 3 mm als Basis für Lehmfarbe.
Schritt 5 – Lehmfarbe: Zwei Anstriche ClayTec Lehmfarbe Reinweiß für helle, wohnliche Oberfläche.
Ergebnis und Materialmengen
Gesamte Wandfläche (Innen): ca. 340 m². Materialverbrauch: Schilfrohrgewebe 350 m², Lehmunterputz grob ca. 2.400 kg, Lehmoberputz fein ca. 1.400 kg, Lehmfeinputz ca. 800 kg, Lehmfarbe Reinweiß ca. 50 Liter.
Ergebnis nach Abschluss: Raumluftfeuchtigkeit stabil bei 48–54 % (gemessen mit Datenlogger). Keine Schimmelbildung nach zwei Heizsaisonen. Sichtbarer Rückgang der Feuchtigkeit in der Holzstruktur. Bewohner berichten von spürbar verbessertem Raumklima.
Quellen und Normen
Regionaler Kontext und Einsatz in der Praxis
Dieses Projekt wurde in der Region Achim / Landkreis Verden in Niedersachsen durchgeführt – einer Gegend mit besonders vielen historischen Fachwerkhäusern. Lehm-Revival in der Danziger Str. 59, 28832 Achim, hat alle Materialien für dieses Projekt geliefert und Kenny Kent Bridgewater hat die Planung und Materialauswahl begleitet. Für ähnliche Projekte in der Region bieten wir persönliche Vor-Ort-Beratung an.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine vollständige Lehmputz-Sanierung eines Fachwerkhauses?
Bei einem Einfamilienhaus mit 180 m² Wandfläche rechnen Sie mit 4–8 Wochen für die reine Putzarbeit, plus Trocknungszeiten (4–6 Wochen zwischen Unter- und Oberputz). Gesamtprojektdauer mit Vorarbeiten (Zementputz entfernen, Ausfachungen reparieren): ca. 3–4 Monate. Bei bewohnten Häusern empfehlen wir Abschnittweise Sanierung.
Was kostet Lehmputz-Sanierung pro Quadratmeter?
Materialkosten für das vollständige System (Unterputz + Oberputz + Feinputz + Lehmfarbe): ca. 25–40 €/m². Handwerkerleistung (regional variabel): ca. 30–60 €/m². Gesamtkosten Materialien + Handwerk: ca. 55–100 €/m². Denkmalschutz-Förderung (AfA 9 % p.a.) und KfW-Förderung können die Netto-Kosten erheblich senken.
Ist Lehmputz im Innenbereich wasserfest?
Nein, Lehmputz ist nicht wasserfest. Er ist ausschließlich für trockene Innenbereiche geeignet. In Feuchträumen (Dusche, Badewannenbereich) darf Lehmputz nicht ohne Schutzmaßnahmen eingesetzt werden. Für Wände neben der Dusche (kein Direktspritzer) ist Lehmputz mit einem diffusionsoffenen Naturharzlack als Schutzversiegelung möglich.